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Pont-Saint-Esprit
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Chojnów (Haynau)

Hier schwammen Hannons Elefanten 
(Presseartikel der Frankfurter Rundschau vom 30.10.1990)
An Schönheit kann es Egelsbach mit seiner Braut Pont-Saint-Esprit nicht aufnehmen
 
EGELSBACH und PONT-SAINT-ESPRIT trennen nicht nur um die neunhundert Autobahnkilometer, sondern Welten. Das südhessische Straßendorf an Heg-, Rutsch- und Parrebach hat mit der südfranzösischen Kommune an der Rhone nicht vieles gemeinsam. Historie, Bauten, Stadtgestalt, Umgebung — bei jeglichem Vergleich schneidet der deutsche Partner gegenüber der ausgeguckten provencalischen Braut als unattraktiver ab. Es mag zwar übertrieben klingen und wohl auch ein bisserl ungerecht sein, aber dem Besucher von Pont-Saint-Esprit drängen sich da Metaphern à la „hässliches Entlein und der schöne Pfau" auf.
 
Wenn man sich von Osten nähert — und das werden nahezu alle Egelsbacher Jumelierer tun — sieht man das auf den ersten Blick. Da konturiert sich eine Silhouette, die von der mächtigen Spannbo-genbrücke über die Rhone und dem Kirchen-Doppel der wuchtigen Kathedralbauten von Saint-Pierre und Saint-Saturnin dominiert wird. Viadukt und Gotteshäuser sind steinalt: Mit dem Brücken¬bau begann man am 12. September 1265, da gab es jedoch Saint-Saturnin (9. Jahrhundert) und Saint-Pierre (10. Jahrhundert) schon. Dokumente und mündliche Überlieferungen verweisen auf noch fernere Vorzeiten. Pont-Saint-Esprit war schon immer ein Ort, an dem Menschen trefflich am großen Fluss das Ufer wechseln konnten. Der Karthager Hannon, der 218 vor Christus eine Neben-Armee des Hannibal gen Rom führte, kam da beispielsweise gut mit seinen Elefanten rüber. Über das und vieles mehr informiert ein gut sortiertes stadtgeschichtliches Museum am Place de l' Hotel de Ville. Aber eigentlich gibt's „open air" mehr zu sehen: vier Ordens- und Klosterbauten (nicht mehr „in Betrieb"), uralte Kapellen, Häuser, Portale und Fassaden vom 16. bis 19. Jahrhundert. Das alles kombiniert sich mit den typischen urbanen Elementen einer südfranzösisch-mediterranen Stadt Die Egelsbacher können durch winklige Pflastergassen schlendern; Rondelle umkreisen, um die sich Freiluftcafes gruppieren, in denen Pastisse, Vin Rouge und gewiss auch der hier en masse angebaute Côtes du Rhone serviert wird; sie können aber auch auf den Platanen-und Akazienalleen bei den Boule-Spielern kiebitzen.
Außerhalb des Orts beginnen 1400 Hektar Obstanbaufläche für Apfel, Pfirsiche, Birnen, Kirschen und Melonen, wird auf den Wingerten eines Dutzend großer Domänen der Wein der Region gezogen.
Schon für sich und vom Erlebniswert her genommen scheint Pont-Saint-Esprit eine Reise und eine Städteverschwisterung wert, doch eignet sich die Stadt auch trefflichst als Ausgangspunkt für Ausflüge. Touristisch gesehen hocken dort alle künftigen Schüleraustauschdelegationen und Vereinsgruppen aus dem Klammerndorf wie die berühmte Spinne im Netz: Sieben Kilometer weiter beginnt der Canyon der Ardèche mit seiner berühmten Paddelstrecke. Keine Autostunde entfernt lockt das Mittelmeer. Die Camargue ist einen Katzensprung weg, wer keine Stippvisiten in Arles, Orange, Avignon, Nimes oder der Nougat-Metropole Montelimar macht, ist selber schuld.
Nein, die Egelsbacher können kaum mit Vergleichbarem aufwarten. Ihr vom Durchgangsverkehr zugestopfter alter Ort, das „Wohn oder stirb"-Silo Bayerseich und die Klump-Agglomeration der Groß- und Einkaufsmärkte haben nicht im Ansatz den Charme und das Flair des möglichen Städtepartners. Aber da mitzuhalten hätte es wohl jede deutsche Stadt des Kalibers „um die 10000" schwer. Und vielleicht kommt es ja auch gar nicht, so Bürgermeister Eyßen, auf die Schönheitskonkurrenz der „Stadtgestalten" an. Sondern auf die Menschen.  PETER HOLLE